So.. Okt. 11th, 2026

„Mach‘ nur einen Plan, sei ein großes Licht, mach nur einen zweiten Plan – gehen wer’n sie beide nicht.“ Der Spruch wird Berthold Brecht zugeschrieben. Da ist viel Wahres dran. Heute wieder erlebt.

Nachdem ich ja gestern den Stadtbummel mangels großem Koffer verschieben musste, war heute einem anderen Plan beschieden, zu scheitern. Ursprünglich wollte ich den Grand St. Bernard Pass nebst Museum besuchen, und das als Teil einer großere Tour, die mich einmal um das Mont Blanc Massiv herum und über Chamonix wieder zum Camp geführt hätte.

Der Tag startet mit Gewitterdonner, hier im Gebirge schon eindrucksvoll. Das bedeutet, dass mein Start gegen 9 Uhr ins Wasser fällt. Es regnet heftig ungefähr eine Stunde. Was mich in meinem Buch „Der Weg der Männer“ weiter bringt.

Bei der Montage der neuen Telefonhalterung stelle ich fest, dass das Gewinde der Halterung den Geist aufgegeben hat. Sie Kollegen haben tatsächlich eine ungehärtete Gewindebuchse verwendet! Das bei einem ISO-fein Gewinde 2 mm. Aber woher sollen es Chinesen auch wissen … was natürlich Quatsch ist. Wenn ich mir anschaue, was der chinesische Maschinenbau mittlerweile in der Lage zu leisten ist, dann steht er dem deutschen in nichts mehr nach. Jahrelang Know-how exportiert, hier nichts nachwachsen lassen – und das gegenüber einem Land, das jedes Jahr mehr neue Ingenieure ausbildet, als in Deutschland insgesamt vorhanden sind. Aber das ist wieder mal ein anderes Thema …

Kurzzeitig spiele ich mit dem Gedanken, nicht weiter nach Süden zu fahren, sondern zu versuchen, dem Alpenhauptkamm zu folgen. Denn die Strecken um den Gran Bosco herum kenne ich. Ein Kartenstudium ergibt dann aber, dass es noch ungefähr 6 oder 7 Touren gibt, die ich da unten noch nicht gefahren bin. Sie sind zwar jede für sich relativ kurz, aber man kann von diesen auch zwei am Tag fahren.

Also doch Gran Bosco Camping. Ich stelle weiterhin fest, dass ich morgen auf dem Weg nach Gran Bosco Camping ja auch über Grand St. Bernard fahren könnte. Und dass die Zeit heute schon etwas fortgeschritten ist. Und dass es in 90 Minuten Distanz einen netten Offroad Trail geben soll, den Col du Foly. Der soll es heute sein, der Führer weißt ihn als mittelschwer aus – und als schwer, sollte es regnen. Aber wer glaubt schon, dass es regnet?

Ich verlasse also erst gegen 12.30 Uhr das Casino und fahre Richtung Chamonix. Wunderbare Strecken, Millionen Kurven und Kehren. Leider auch ein wenig zu viel Verkehr, es ist Sonntag. Obwohl parallel eine Autobahn entlang führt, drängen sich die Fahrzeuge auf den Fernstraßen. Eine Bau-Ampel mit einer relativ langen Rotphase schafft Entspannung: ich fahre direkt vor und habe dann freie Bahn. Die Straße nach Chamonix besteht praktisch nur aus Kurven.

Ich komme durch mehrere „Freizeitorte“ durch, die immer nach dem selben Muster zu funktionieren scheinen. Erinnert mich ein wenig an die Touri-Orte im Süden, mit den ewig gleichen Geschäften und Angeboten. Nur eben ohne Meer, dafür mit hohen Bergen.

Nach knapp zwei Stunden biege ich in das Tal ein, welches mich zum Col du Foly bringen soll. Und was prangt dick und fett über den Tal? Regenwolken. Ich fahren noch durch die Sonne, aber bald verschwindet diese. Dann beginnt es zu nieseln, dann etwas stärker zu regnen. Super Urlaub. Ich konsultiere das Navi: nur noch 5 km bis zum Einstieg. OK, vielleicht klart es ja wieder auf, das Wetter ändert sich gern hier. Ich fahre zum Einstieg – und stehe vor verschlossener Strecke. Der Pass ist ab 1. Juli gesperrt. Normalerweise steht so etwas in den Führer. Wahrscheinlich wäre ich aber eh nicht weit gekommen, weil: wenn es regnet, verwandelt sich der Trail zumindest abschnittsweise in eine Rutschbahn. Ob ich das heute brauche, bin ich mir auch nicht sicher.

Also wieder die selbe Strecke zurück. Somit komme ich doch noch zu meinem Fahrtag. Wenn auch etwas anders, als geplant 😉

Was darf nicht fehlen? Klar, dass es buchstäblich auf den letzten Kilometern wie aus Kannen schüttet. Ich darf die Erfahrung machen, dass die Fahrbahnmarkierungen offenbar aus einem Kunststoff gemacht werden, der bei Nässe gegenüber Gummi die Reibung Null aufweist. Das merke ich auf der kurvenreichen Strecke beim Überholen – das Hinterrad rutscht beim Beschleunigen weg. Unfassbar. Mein Reifen klebt bei allen Fahrbahnbelägen und -zuständen, einschließlich Regen, vorbildlich an der Straße. Ich musste heute sogar aufpassen, dass ich mir nicht den rechten Spiegel abrasiere mit den Leitplanken, so schräg kann man durch die Kurve fliegen. Aber mit diesen Markierung ist nicht zu spaßen. Werde ich mir merken.

Ich komme gegen 18 Uhr durchnäßt und wieder mit über 200 km auf dem Tacho im Camp an. Duschen und dann – natürlich – wieder ein Doppelpack vom Taktischen. Schmeckt richtig gut, hat 1046 kcal laut Packung und macht satt. Allerdings bleibt es mir rätselhaft, wie man mit einer solchen Mahlzeit am Tag auskommen soll.

Morgen werde ich recht früh aufbrechen, zu einem Baumarkt fahren und ein paar Sachen besorgen, um die Halterung vom Telefon zu flicken. Danach Casino für diesen Post, und dann gehts Richtung Gran Bosco Camping via Grand St. Bernhard – freue mich schon drauf!

Start: Camping de Van d'En Haut
Ziel: Camping de Van d'En Haut
Via: Chamonix
Strecke: 220,6 km
Gesamt: 1286,6 km