Mo.. Apr. 13th, 2026

Der letzte Offroadtag bricht an – und zwar um 5.45 Uhr. Der Wecker klingelt so früh, weil ich zum Packen und offboarden Zeit haben will. Das Mopped will vom Parkplatz geholt werden, die Koffer final gepackt, der Müll entsorgt – was man so macht an einem Abreisetag.

Das Städtchen schläft noch, als ich gegen 8 Uhr mit allem fertig bin und aufbreche. Es ist wieder ein herrlicher Tag, Sonneschein, klare Luft, Fernsicht bist sonstwohin.

Die Sonne scheint, aber ich halte noch kurz an und ziehe mir eine weitere Schicht an, es ist sehr frisch, das Thermometer in Valloire wird 11°C anzeigen – und das ist noch ein bisschen hin.

Ich muss über den Galibier-Pass, aber auch da ist es nicht so voll wie befürchtet.

Ein Postkartenmotiv reiht sich an das andere 😉

Die Sonne steht noch nicht so hoch, das gibt dramatische Schatten.

Ich kenne die Strecke vom letzten Mal, fahre schnell durch Valloire durch und biege dann in Saint-Michel-de-Maurienne nach Osten ab in Richtung Orelle.

Dort ist der Einstieg zur letzten Pass- und Offroadtour dieser Reise. Ich war diesen Pass schon vor zwei Jahren gefahren, aber erfahrungsgemäß ändert sich die Lage im Laufe der Zeit, mitunter deutlich. Er hatte auch einen anderen Namen – oder ich habe seinerzeit den aktuellen, Col de Rosaël, einfach ignoriert 😉 .

Der Einstieg ist einfach. Eine asphaltierte Fahrstraße schraubt sich über unzählige Haarnadelkurven nach oben. Bin mir nicht sicher, ob das vor zwei Jahren auch schon so war. Bald erreiche ich die Baumgrenze – die Piste wird rauher.

Das kannte ich schon vom letzten Mal. Neu ist heute, dass einige große Bagger versuchen, die Schäden an der Piste, die offenbar durch die Niederschläge der letzten Tage entstanden sind, auszubessern.

Die Strecke ist naß, glitschig, verwaschen. Die Baggerführer machen jedoch wieder Platz und lassen mich durch.

So hatte ich die Piste nicht in Erinnerung – aber es wird noch besser. Im oberen Abschnitt ist die Route sehr steil. Das wußte ich. Was ich nicht wußte war, dass das Wasser der letzten Tage einen lockeren Untergrund produziert hatte, in dem die Reifen keinen Halt finden. Eine Linkskurve, steil angefahren, das Vorderrad aber schon in diesem Gemenge – und schon liegt das Mopped wieder.

Die Stelle ist so steil, dass ich beim Abspringen eine Aikidorolle rückwärts mache und erst etliches weiter unten zum Stehen, besser zum Liegen, komme.

Wir sind mittlerweile auf fast 3000 Metern Höhe angelangt. Das bedeutet, dass ich mich erst einmal an der Aussicht freue, bevor ich versuche, die Maschine wieder aufzurichten.

Vom letzten Mal weiß ich, dass man hier mit seiner Luft haushalten sollte. Also ruckel ich die Maschine erst einmal in eine gute Position, Pause, dann buddel ich ein wenig frei, Pause. Und dann richte ich sie auf. Kein Problem. Pause.

Die letzte Hürde ist dann das Anfahren an steilem Hang mit lockerem Untergrund voll beladen 😉 … aber da ich jetzt im trockenen und warmen Hotel sitze und den Blog verfasse werde ich es wohl geschafft haben …

Dann bin ich oben, auf der Passhöhe.

Das Pass wurde nicht, wie ich schon befürchtet hatte, zugebaut. Es ist alles so wie vor zwei Jahren. Einschließlich den phänomenalen Fernsichten.

Mit Schnee in nah und fern.

Die Abfahrt Richtung Val Thorens geht recht flott. Aber auch hier muss ich kleinere und eine größere Furten durchqueren – der Regen läßt grüßen.

Kurz hinter Val Thorens meldet sich dann der Hunger – bisher hatte wohl das Adrenalin diesen ersetzt.

Pauseplatz.

Auch für das brave Mopped.

Schließlich hat es mich bis hierher getragen, zuverlässig und gutmütig. Ich weiß das zu schätzen.

Dann ist fahren angesagt. Noch eine kurze Station in Moûtier.

In Bourg-Saint-Maurice noch eine kleine Pause.

Und da ist sie, die 3000 km Marke, kurz vor Aosta.

Und noch eine Pause nur noch eine knappe Stunde vorm Ziel.

Gegen halb fünf habe ich mein Ziel, die Auberge de l’Hospice auf dem Großen Saint Bernard erreicht. Ziemlich genau 300 km stehen auf dem Tacho. Abendritual, dann lecker Essen im Restaurant, und zum Abschluss des Tages noch etwas die Beine vertreten.

Ein lange Tour heute, offroad, onroad – alles dabei. Ich werde schlafen wie ein Murmeltier. Morgen Abend setze ich von Romanshorn wieder mit der Fähre nach Deutschland über.

Start: Briançon
Ziel: Col de Grand Saint Bernard
Via: Col de Galibier, Saint-Michel-de-Maurienne, Orelle, Col de Rosaël, Moutiers, Aosta
Strecke: 300,2 km
Gesamt: 3047,3 km