So.. Okt. 11th, 2026

Der Tag beginnt zu spät. Zu spät für ein Brioche – alles ausverkauft. Es bleibt somit bei einem Kaffee.

Die Nacht war kalt, die Temparatur sank unter 10°C. Und windig war es. Das Wetter scheint zu halten, bin gespannt, wie es auf dem Pass sein wird.

Gestern Abend habe ich noch die letzten 4 Etappen Richtung Heimat geplant. Und mir den Luxus gegönnt, jeweils eine AirBnb Unterkunft zu mieten. Die in Ulm stand ja eh schon fest, also noch 3 weitere. Nach eine Wocher im Zelt freue ich mich auch wieder auf die sprichwörtliche Tür, die ich hinter mir zumachen kann 😉

Während ich das schreibe reduzieren sich meine Türen auf drei – die Übernachtung in Briançon hat storniert. D.h. es wird doch noch einmal Camping – auf dem Camping des 5 Vallées, macht auf den Bildern einen guten Eindruck. Da werde ich morgen Vormittag gleich mal mein Zelt aufbauen und das Gepäck dort lassen. Mein Ziel morgen ist der Col de Parpaillon nebst Tunnel. Er ist knapp 2 Stunden Richtung Süden entfernt. Gibt eine schöne Rundtour zurück nach Briançon.

Doch jetzt erst einmal der Sommeiller. Etwas über 3000 m hoch, Kaiserwetter, und wahrscheinlich saukalt dort oben. Bin gespannt.

Das Wetter und Bardonecchia präsentieren sich in Optimalform.

Ich komme wieder durch das kleine bergumsäumte Dorf. Kurz danach die Maut-Station, ein kleines, freundliches Häuschen mit ebensolcher Besatzung. 8,- € kostet der Pass, dann fahre ich hinein in die Bergwelt.

Szenen wie aus „Herr der Ringe – Auenland“ bieten sich mir.

Ich werde aufpassen müssen, keinen Hobbit zu überfahren. Gestern hatte ich auf meinem kurzen Abstecher Murmeltiere gesehen – sind ähnlich wie Hobbits, verhalten sich aber anders 😉

Die Straße steigt an, wird rauher.

Die Wege sind ein Traum.

Und die Aussicht wird immer schöner.

Man glaubt gar nicht, wie viel Arbeit für Mann und Maschine in diesen Serpentinen steckt. Einmal, um sie dem Berg abzuringen, und dann jedesmal, wenn man hier hoch fährt.

Je höher ich komme, desto mondlandschaftiger wird es.

Meine Vermutung, dass es heute, am Montag, leerer sei als am Sonntag scheint sich zu bestätigen. Ab und an kommen Mitstreiter auf zwei Beinen, zwei schmalen Rädern oder zwei breiteren; und nicht zu knapp Autos.

Davon erstaunlich viele „normale“ Wagen, denen ich maximal die Fahrt zum nächsten Supermarkt zutrauen würde – sie klettern hier hoch und schaffen es auch.

Ein Panorama jagt das andere.

Zwischendurch eine Pause.

Der Untergrund wird zunehmend schwieriger. Am schwierigesten sind die Haarnadelkurven, die neben ihrer Bodenbeschaffenheit auch noch unfassbar steil sind. Kurz vor dem Pass passiert es dann – mein Mopped legt sich hin.

Das ist unter normalen Umständen schon nicht so witzig, immerhin liegen da 160 kg. Aber hier – was auf dem Bild nicht so deutlich wird – befinden sich die Räder höher als die Sitzbank. Die Kehre steigt an. D.h., ich kann das Mopped nicht ohne weiteres wieder aufrichten, müsste erst einmal mehr als üblich gegen die Schwerkraft arbeiten. Aber ich bin ja nicht allein auf der Piste, ein paar Minuten später hilft mir ein freundlicher Italiener – und dann steht sie wieder.

Aber eine gewisse Aufregung kann ich nicht verhehlen, zumal auf 2800 m die Luft schnell knapper wird bei dem Versuch, 160 kg aufzurichten. Ich warte ein paar Minuten, bis sich alles wieder normalisiert hat und fahren dann gaaaanz vorsichtig die letzten 3 oder 4 Kehren zur Passhöhe, meinem Ziel.

Ich bin bei meiner Ankunft der einzige dort oben.

Der Pass selber ist eigentlich keiner, die ganze Strecke ist eine Sackgasse, hier geht es nicht weiter – zumindest nicht mit dem Mopped. Auf dem Pass verläuft die Grenze zu Frankreich.

Es gibt eine Hütte, deren Innenleben von außen betrachtet sehr gemütlich aussieht, leider ist sie geschlossen und wahrscheinlich nur als Notunterkunft gedacht. Etwas oberhalb auf 3030 m entsteht dann auch das obligatorischen doofe Selfie 😉

Es ist erstaunlich warm dort oben, nur der Wind, wenn er denn auffrischt, lässt die Höhe erahnen.

Ich halte mich noch ein wenig dort auf, ein paar Quadfahrer kommen noch, ein Biker. Und zwei Fahrradfahrer – ich bin beinedruckt.

Dann fahre ich langsam wieder zurück, runter, schön vorsichtig 😉

Schönheit wohin man schaut.

Gegen 16 Uhr bin ich wieder im Camp. 86 km stehen auf dem Kilometerzähler, davon 44 km offroad. Ich sage nur „Sportgerät“! War eine aufregende, anstrengende Tour. Mein Kopf sagt mir, dass es wohl zu viel Sonne war. Mein Rücken sagt mir, dass ich schwer gehoben habe. Ich dusche, schlüpfe ins Zelt und schlafe erst einmal 2 Stunden – tut gut!

Der Kopf weht immer noch ein wenig, aber ein Espresso statt einer Aspirin schafft Abhilfe. Werde früh schlafen gehen, morgen früh aufstehen, packen und – hoffenlich – noch eine der Brioches erwischen, bevor ich mich Richtung Frankreich davon mache.

Eins steht fest: Gran Bosco Camping sieht mich wieder.

Start & Ziel: Gran Bosco Camping
Via: Bardonecchia, Col de Sommeiller
Strecke: 86 km