Beatrice, meine AirBnb Gastgeberin, bietet für kleines Geld ein gediegenes Frühstück an: Kaffee, leckeres Weißbrot, selbstgemachte Marmelade, Butter. So eine Art Petit Dejeuner, nur besser. Da ich heute eine recht lange Strecke vor mir habe, lasse ich es mir schmecken.
Danach Aufbruch.
Wetter wieder perfekt, Fernsichten jede Menge – die beiden ersten Regentage sind in weite Ferne gerückt.
Ich fahre wieder kleine Straßen mit wenig bis gar keinem Verkehr, komme gut voran Richtung Nordosten, wende mich dann nach Norden auf der D902, die bald zur D925 wird. Die Gegend erinnert an die Highlands in Schottland.
Dann erreiche ich die Chapelle de Roselend. Leider liegt sie direkt an der Straße, heilige Ruhe stellt sich nicht ein. Aber der Ort ist gut.

Ein fast magischer See, ein Spiegel. Die kleine Kapelle wurde im 14 Jahrhundert in der jetzigen Form gebaut, davor gab es an gleicher Stelle schon eine andere Kapelle.
Ein paar Meter weiter hat ein kleines Bistro seine Tische einladend heraus gestellt.
Diese Einladung nehme ich natürlich an.
Nach Beaufort erreiche ich Villard-sur-Doron und wende mich wiederrum nach Norden, auf die D123. Eine Entdeckung!
Überhaupt sind die kleinen Straßen die eigentlichen. Ist eine Binse, aber immer wieder spannend zu erleben. Viele Moppeds sind auf den größeren Straßen unterwegs. Dort gibt es natürlich auch nette Strecken, die oft mit recht hohen Geschwindigkeiten durchfahren werden. Kann man machen, muss aber nicht. Ich bin heute langsamer unterwegs, aber dafür gelingt mir oft dieses In-die-Kurven-schwingen. Drei, vier, fünf oder mehr Kurven mit dem richtigen Radius und der richtigen Länge ergeben fast einen Tanz der Maschine mit der Straße 😉
Ich erreiche Cluses. Dort treffe ich auf einen anderen Biker, der auf dem Weg nach Andorra ist – da hat er noch was vor sich. Das Bistro ist innen richtig nett, typisch französisch, finde ich.
Ich esse einen leckeren Salat und fahre dann weiter. Die letzten Kilometer Richtung Thonon-les-Bains auf der D902, der großen Alpenstraße, stehen schon ganz im Zeichen der Zivilisation. Viel Verkehr, viele Straßennummern, und es wird wärmer. Ich muss das Navi einschalten, um in dem Gewirr die Richtung zu behalten.
Bis ich die D1005 nach Montreux gefunden habe, vergeht eine Stunde. Am Lac Léman lege ich dann doch noch eine Ladepause für das Telefon und eine Kaffeepause für mich ein. Sehr freundliche Leute überall, sie helfen, wo sie können. Bedanke ich mich, antworten sie „Avec plaisir!“. Das passiert in Deutschland nicht so oft …
Dann die Hölle von Montreux – und damit meine ich nicht das Schlagerfestival. Der Verkehr ist mörderisch. Alles quält sich durch unfassbar enge Straßen. Für ein paar Kilometer brauche ich wieder eine Dreiviertelstunde. Irgendwann hänge ich mich an einen einheimischen Moppedfahrer und lasse ihn die Trasse freiräumen.
Dann bin ich durch und mache nur noch Strecke. Das Navi sagt für die letzten 119 km 2 Stunden und 13 Minuten voraus. Na prima! Ich kann noch gut 20 Minuten rausfahren, aber bis ich mein Quartier beziehen kann wird es 20.30 Uhr sein.
Eva und Otto, meine AirBnB Gastgeber, haben 4 Katzen – und sind somit nette Leute. Wir unterhalten uns etwas, ich räume mein Gepäck ins Zimmer und fahre dann noch einmal nach Murten rein, um zu tanken und noch ein wenig anzukommen.
Murten scheint mir nett zu sein, viele Restaurants und kleine Läden. Man hört Französisch, Deutsch, Schwytzerdeutsch, wenig Italienisch. Der Abend ist da.
Dann ist das Tagwerk getan. Ein Fahrtag in zwei Hälften. Die erste noch im Gebirge – wunderbar. Die zweite dann eher Pflichtübung. Morgen werden es noch einmal rund 350 km sein, aber davon die Hälfte schon in Deutschland mit bekannten Straßennummern 😉 und der Schweizer Teil ist deutlich übersichtlicher als heute.
Start: Aime-la-Plagne Ziel: Murten Via: Cluses, Montreux Strecke: 353 km










