Heute bei Zeiten aufgestanden. Packen, noch einen Tee trinken und dann los. Es stehen 360 km an, denken wir jedenfalls noch. Am Ende des Tages werden es 405 km sein. Gut, dass wir das noch nicht wissen.
Raus aus Tallinn kommen wir schnell. Die E20 bringt uns Richtung Osten voran. Schnurgerade, vierspurig. Eine Autobahn. Aber ohne die entsprechende Infrastruktur. Es vergehen Kilometer um Kilometer und ich frage mich, ob ich nicht besser den Reservekanister jetzt schon, und nicht erst in Finnland, hätte voll tanken sollen. Irgendwann bekommen wir Hunger, hier in der Gegend auch nicht so einfach zu lösen. Der erste Versuch schlägt fehl, es gibt nur Kaffee und Russisch. Aber dann, ein paar Kilometer weiter finden wir eine Tankstelle und ein Schild, welches behauptet, auf der 177 in 10 km Enfernung Richtung Norden gäbe es was zu essen. Wir fahren hin und finden – nichts.
Mittlerweile regnet es. Die Stimmung sinkt 😉 aber Rettung naht. Im Aluvere Kaukaasia Sašlõkk gibt es ausgesprochen leckeres Essen.

Völlig unscheinbar von außen, aber zur Mittagszeit gut gefüllt. Und der Kaffee ist ebenfalls gut und wird mit Pilzen serviert.

Gut gestärkt geht es weiter, noch ca. 130 km bis Narva, die Grenzstadt zu Russland.
Dort angekommen werden wir erst einmal zur Regestrierung unserer Fahrzeuge (wozu bleibt im Dunkeln) ans andere Ende der Stadt geschickt. Verfahren, täglich mindestens einmal, inklusive. Wir verlieren damit fast eine Stunde, es ist mittlerweile 15 Uhr durch. Jetzt dürfen wir einfahren. Ein paar Fragen zur Maschine, Pass und Zulassung und gut ist. Wir rollen weiter und kommen auf der Grenzbrücke zum Stehen.

Links Russland, rechts Estland. Und alle warten.

Aber auch hier stehen wir nicht lange. Am Ende der Schlange bekommen wir ein Formular auf Russisch ausgehändigt. Es gelingt uns, das an der nächsten Station gegen ein englisches auszutauschen. Jetzt erstmal ausfüllen – Gott sei dank regnet es nicht. Freundliche Mitwartende aus Estland und Russland erkundendigen sich, helfen teilweise, dolmatchen. Ein Deutschrusse fragt besorgt, warum wir immer noch nicht abgefertigt sind. Wir deuten auf das Papier – er seufzt wissend.
Mit dem Formularen können wir dann in den eigentlichen Kontrollbereich einfahren. Ein paar kurze Blicke in die Koffer, gut ist. Nur mit der Marke unserer Maschinen haben sie ein Problem. Husqvarna ist dort unbekannt. Aber zu guterletzt haben wir auch das hinter uns und rollen langsam zum letzten Kontrollpunkt vor, wo eine einsame Beamtin im Regen steht und noch einmal den Pass sehen möchte.
Dann sind wir in Russland. Berühmt durch seine Kathedralen … 😉

Es macht sich fast so etwas wie Euphorie breit. Schließlich haben wir den brüchtigten russischen Grenzkontrollen stand gehalten. Aber die sind der reinste Kindergeburtstag im Vergleich zu den russischen Verkehrsteilnehmer – um einmal diese vornehme Umschreibung zu verwenden.
Es wird überholt, gerast, aufgefahren, gehupt was das Zeug hält. Richtig anders wird uns, als ein LKW hinter uns in einer 40-er Zone, in der wir eh schon mit 60 unterwegs sind, das Hupen anfängt und sehr dicht auffährt. Die 75 Pferde helfen uns mehr als einmal, mit einem beherzten Sprung aus der Gefahrenzone zu kommen. Aber witzig ist das nicht.
Irgendwann begreifen wir, dass es sich hier um vollständig kontextuell getriebenen Verkehr handelt 😉 also Regel oder sonstige äußere Störfaktoren sind nicht existent. Es zählt ausschließlich der aktuelle Zutand vor, hinter und neben dem Fahrzeug. Wir schwimmen also mit, achten auf uns und betrachten die anderen als potentielle Kollisionskandidaten – und alles geht gut.
Irgendwann verlassen wir die E20 und drehen nach Norden ab, wir wollen ja nach Kronstadt. Die Straße dorthin ist eine einzige Baustelle. Aber das beste sind die Umgehungen, die eingerichtet wurden: wir können endlich mal kross fahren! Die Fahrbahn ist in einem solch schlechten Zustand, dass wir teilweise wie in echtem Gelände aus dem Sattel müssen. Dazu kommt Schlamm. Hinterher sehen wir und die Maschinen aus wie nach Paris-Dakar bei Dauerregen …
Die letzten Kilometer ziehen sich, der Westdamm ist beeindruckend. Dann sind wir da, ein paar Telefonate und uns wird aufgetan. Ein geräumiges Zimmer in einer sehr kleinen Wohnung – und zwei Katzen – erwarten uns.

Wir hängen die Maschinen zusammen – zwei tragen sich schwerer weg als eine.

Safe!

Das wars. Die Koffer bauen wir ab, wir sind ja zwei Nächte hier.

Dann noch schnell was essen um die Ecke und ins Bett. Morgen ist fahrfrei.
Breitengrad: 59° 59′ 36,9″ N - Längengrad: 29° 45′ 49″ O - Höhe: 6 m
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