Mo.. Apr. 13th, 2026

Ich wache von mich umgebender Geschäftigkeit auf. Viele packen. Der Himmel zeigt, warum: es ziehen Wolken auf.

Was für sich genommen nicht so schlimm wäre. Aber der Wetterbericht sagt, dass schwere Gewitterstürme im Anmarsch seien, und dass mit einem Temperatursturz auf ca. 12 bis 15°C zu rechnen sei. Die Kollegen von der Campcrew bestätigen das. Was also tun?

Meine Entscheidung fällt schnell. Zwar sind ein paar Regentage hier in Gran Bosco mit Restaurant, Internet und warmer Dusche – und intaktem Magen! – sicher eine andere Nummer als das alles nicht und im letzten Tal der Schweiz. Aber schön ist es trotzdem nicht, schließlich habe ich Urlaub und will fahren.

Das heißt: Zelt abbauen, alles einräumen, auschecken. Geht innerhalb einer Stunde. Wie ich dann beim Kaffee sitze und überlege, wohin als nächstes, fängst es tatsächlich kräftig an zu regnen.

Meine Wahl fällt auf Briançon. Nicht so weit, das Wetter dort soll besser sein, und es gibt so einiges zu fahren auf der anderen Seite des Tales.

Ich verlasse Gran Bosco gegen halb 10 Uhr und fahre Richtung Frankreich. Dort erwartet mich tatsächlich etwas besseres Wetter.

Zumindest regnet es weniger 😉 Knapp zwei Kilometer vor Briançon stehe ich allerdings im Stau, der erste auf dieser Tour.

Wie sich später herausstellt, war die Ursache dafür ein Unfall mitten in Briançon. Nun gut, das passiert. Ich stelle das Bike auf einem Parkplatz ab und gehe zu Fuß in die historische Altstadt.

Briançon ist alt, hat schöne historische Gemäuer und eine Hauptstraße, die auch noch Grande Rue heißt und die Lebensader der historischen Altstadt ist. Dort suche ich mir ein kleines Bistro und warte besseres Wetter ab.

Was auch bald eintritt, der Wetterbericht hatte recht. Während ich die Welt beobachte und meine heiße Schokolade schlürfe, suche ich mir eine Unterkunft via AirBnb. Und werde fündig. Eine kleine Wohnung, mit Küche und einem richtigen Bett wird für die nächsten vier Tage mein Basislager. Das beste ist, dass die Wohnung direkt an der Grande Rue liegt und nur ein paar Minuten entfernt ist von meiner aktuellen Position. Perfekt.

Bis zum Checkin habe ich noch etliches an Zeit. Also Aufbruch Richtung Cervières und dann weiter ins Vallée Fonts des Cerviéres.

Von Cervières geht es sowohl ins besagte Tal, auch auch Richtung Col d’izoard. Ich fahre beides, beginnend mit dem Vallée Fonts.

Je weiter ich im Tal an Höhe gewinne, desto schlechter wird wieder das Wetter. Trotzdem sind die Aussichten atemberaubend. Ich fühle mich wiederum an deutlich weiter nördlich liegende Gefilde erinnert.

Dieses Tal könnte auch das „Schottische“ heißen 😉

Irgendwann geht es nicht mehr weiter, meine Maschine weigert sich, und ich kann das nachvollziehen.

Ein Wanderweg ist keine Fahrstaße. Ich kehre um, und nehmen in Cervières dann noch den Weg zum Col d’izoard.

Dieser Pass ist schön und mit 2360 Metern auch gut hoch. Kein Klimbim, ein kleines Geschäft, sonst nichts außer viel Platz und jede Menge Biker.

Im Süden zieht dunkles Gewölk auf.

Aber ich muss ja nicht in den Süden, sondern kehre um und fahre wieder Richtung Norden nach Briançon zurück.

Dort gestaltet sich die Tankstellensuche gar nicht so einfach, es scheint nicht so viele davon zu geben hier. Schließlich finde ich eine. Die erste Säule ist defekt, aber die zweite spendet dann das erhoffte Treibmittel.

Ich beziehe mein Quartier und bin sehr zufrieden.

Ein nettes Wohnzimmer mit Küche, ein Bad und ein Schlafzimmer mit richtigem Bett – Luxus! Wie gesagt, die Wohnung liegt mitten im historischen Kern der Stadt.

Das Wetter hat sich beruhigt, ich sitze noch in einem Bistro und führe ein nettes Geespräch mit Björn und Sandra aus Luzern. Sie sind mit dem Fahrrad unterwegs nach Nizza. Wir reden über Touren, das Wetter, Politik, Berlin, Religion und das Bildungssystem. Sandra meint augenzwinkernd, man sollte beim ersten Mal doch bitte gerade Themen wie Politik, Religion und sexuelle Vorlieben aussparen – was für allgemeine Heiterkeit an unseren beiden Tischen sorgt. Es ist schön, so direkt und unverstellt mit anderen sprechen zu können. Wir verabschieden uns voneinander und betonen noch einmal, dass Diskurs auf Augenhöhe heute das Gebot der Stunde ist.

Gleich um die Ecke gibt es einen kleinen Supermarkt. Er liefert mir die Zutaten für mein Abendessen, ich habe richtig Lust darauf, wieder selbst zu kochen.

Es wird ein Fajitas Pollos ohne Tortillas, aber dafür mit Kartoffeln und lecker.

Auf dem Tacho stehen heute nicht so viele Kilometer, dafür aber eine schnelle, gute Entscheidung und die Entdeckung eines neuen Städtchens.

Morgen werde ich zwei Offroadtouren, ungefähr 30 Minuten südlich von hier, angehen. Bin gespannt und freue mich drauf.

Start: Gran Bosco Camping
Ziel: Briançon
Via: Cervières, Vallée Fonts, Col d'izoard
Strecke: 113,5 km
Gesamt: 2130,4 km