Der Tag beginnt gegen halb Neun mit einen Tee und dem Packen des Daypacks. Dann geht es schon zum Mopped auf dem Parkplatz. Dort erwartet mich eine Überraschung. Das Mopped wurde versetzt.

Grund war, dass heute ein großer Alpenrundlauf hier durch kommt – genau über den Moppedparkplatz verläuft die Route. Die nette Dame, die als Ordner agiert, gibt mir zu verstehen, dass beim Umsetzen die Alarmanlage losgegangen sei. Und ob ich das denn gehört hätte. Ich sage ihr, dass dieser Krach nur für die Polizei da ist, aber die war ja beim Umsetzen auch mit dabei 😉
Heute ist wieder Kaiserwetter, von den Regenschauern des gestrigen Tages ist nichts mehr zu sehen.

Meine erste Tour heute führt mich „über die Durance“, so ist die Tour überschrieben. Einstieg ist in La-Roche-de-Rame, ein Örtchen ca. 30 Minuten südlich von Briançon. Die Strecke ist ungefähr 35 km lang, beginnt auf Asphalt, wird dann aber wilder und interessanter. Einige Furten sind zu durchqueren – die allerdings relativ wenig Wasser führen – und grober Schotter begleitet mich die ganze Zeit. Einen Großteil der Strecke muss ich im Stehen fahren. Anstrengend, aber langsam geht es ganz gut.
Die Strecke geht erst durch Wald, führt dann aber immer höher und gibt entsprechende Aussichten frei.

Der Belag wechselt hin und wieder, anspruchsvoll bleibt er allemal.

Es geht höher und höher.

Ich erreiche den Zielpunkt der Route, einen kleinen Parkplatz mit Hütte Cabane de l’Alp auf gut 2400 Metern. Eine kurze Rast mit dem Summen der Insekten und dem Pfeifen von Murmeltieren tut gut.

Der Abstieg gestaltet sich fast noch ein bisschen schwieriger als der Aufstieg, da die Tour zahlreiche Haarnadelkurven birgt, die alle mit losem Schotter gefüllt sind. Aufwärts geht da einiges mit Gasgeben, abwärts eher nicht.
Abwärts kommt es auf das Zusammenspiel der beiden Bremsen an. Ich habe 20.000 km mit dieser Enduro gebraucht, um langsam zu verstehen, wie man die beiden Bremsen bergan und bergab bei verschiedenen Fahrbahnbelägen und Kurvenformen kombiniert, ohne es zu Fahrfehlern kommen zu lassen 😉
Unten wieder auf der N94 angekommen suche ich eine Möglichkeit, eine Kleinigkeit zu essen. Fehlanzeige. Dafür treffe ich auf einem Parklpatz eine Ehepaar, die mit einem Wohnmobil und Hänger unterwegs sind. Auf dem Hänger zwei Mountainbikes und zwei KTM-Enduros. Sie erzählen, dass sie im Susatal schon alles gefahren sind, man ihnen aber hier erzählt hat, dass es verboten wäre, offroad zu fahren. Ich versichere ihnen glaubhaft, dass das nicht der Fall ist und zeige auf der Karte, wo ich überall gefahren bin die letzten Tage, ohne irgendwo unangenehm aufzufallen.
Ich entschließe mich dann, die zweite Route gleich anzuschließen. Sie soll mich zu einem Bergsee, dem Lac du Lauzet, bringen. Er liegt auf ca. 2200 Metern. Der Weg ist ähnlich anspruchsvoll wie der der ersten Tour heute. Es geht zügig nach oben, Schotter, Spurrinnen, Flüsschen, Geröll.

Und natürlich schöne Aussichten.

Gegen 14 Uhr bin ich oben.

Ein kleiner, malerischer See liegt hier.

Ich mache wieder eine kleine Pause und fahre dann den selben Weg zurück, die Tour ist keine Rundtour.
Dafür ist die gesamte Tagestour eine Rundtour! Von Briançon ging es südwärts Richtung Guillestre, dann nach Osten auf die alte Bekannte D902, die bald darauf nach Norden abbiegt und zur Südrampe vom Col d’izoard wird. Das ist eine Traumtour für Moppeds. Auch hier lässt sich viel mit dem Zusammenspiel der beiden Bremsen austesten 😉
Heute ist das Wetter am Paß freundlicher und wärmer. Ich genehmige mir einen Kaffee, ein Tonic und ein Panini und schaue mir die zahlreichen Biker an, die heute den Paß bevölkern. Ich registriere mit Schmunzeln, dass viele der Bikes sauber und fast „neu“ aussehen, ebenso wie die Kluft der Fahrer. Mein Mopped hingegen hat begonnen, richtig Patina anzusetzen. Offroad halt 😉
Dann gehts schnurstracks zurück nach Briançon. Abstellen vom Mopped, zurück ins Heim, Duschen, Luft holen, umziehen und dann ein bisschen noch durch den Ort.

Auch einkaufen für heute Abend, werde wieder kochen.

Das Städtchen hat schon nette Ecken.

Der Abend zieht herauf.

Die Kirche gleich hinter meinem Haus, Église Notre-Dame-et-Saint-Nicolas de Briançon, ist alt, der Ursprungsbau stammt aus dem 15. Jahrhundert. Betritt man sie, umfängt einen Geschichte, Zeit, Dauer, Tradition, Gründung.

Ich verbringe eine gute Weile dort, lasse Ort und Geist auf mich wirken. Mehr Interessantes findet man u.a. hier. Den Tag schließt ein gutes Mahl; auch heute drängt es mich, selber zu kochen.

Für morgen Vormittag ist Regen angesagt. Ich werde also ausführlich frühstücken und mich dann wieder einer oder zwei Touren widmen. Es ist jetzt fast 23 Uhr, Zeit diesen schönen Tag zu beschließen.
Start: Briançon
Ziel: Briançon
Via: Cabane de l'Alp, Lac du Lauzet, Col d'izoard
Strecke: 184,7 km
Gesamt: 2315,1 km