Wie gestern geplant, sollen heute zwei „schwere“ Routen auf dem Plan stehen: „Roche Madeleine“ und „Col de la Moutière“. Allerdings ist beim ersteren schon mal verdächtig, dass es keine vollständigen Daten in der kurviger-App dazu gibt. Ist ungewöhnlich.
Ich fahre kurz nach 10 Uhr los, habe gut anderhalb Stunden Anfahrt vor mir. Die machen aber richtig Spaß, es geht wieder südwärts, dann über Guillestre auf die D902, die Grand Route des Alpes. Ich fahre über den Col de Vars und biege in Jausiers nach links Richtung Col de la Bonette ab. Der Col de la Bonette ist mit 2715 Metern der vierthöchste befahrbare Pass der Alpen.

Die Anfahrt ist schon spektakulär, viele Biker sind unterwegs, das Wetter bietet einen wolkenlosen, stahlblauen Himmel.

Gegen halb 12 erreiche ich die vermeintliche Einstiegstelle zur ersten Route.

Der Track scheint nicht befahren zu werden, frischen Spuren sind nicht auszumachen, der Weg ist bewachsen. Mein Bauch sagt mir, dass ich da besser nicht allein hoch fahren sollte – und ich höre auf ihn. Zumal, wie gesagt, keine verlässliche Routeninformation in der App zu bekommen ist.
Gut, ich habe ja noch die zweite, „schwarze“ Route auf dem Plan. Ich fahre zum Einstieg, der relativ leicht zu finden ist.

Und freue mich auf die Herausforderung.

Die Route beginnt mit grobem Schotter, schon mal gut.

Mir kommen wieder ein paar Radfahrer entgegen, es beginnt Spaß zu machen.
Allerdings ist nach wenigen Kilometern der Spaß vorbei. Die Strecke ist plötzlich asphaltiert. Ich entsinne mich, dass im Führer stand, dass die Südrampe tatsächlich seit ein paar Jahren mit Asphalt versorgt wurde. Aber diese Südrampe ist nicht nur eine Rampe, sondern macht zwei Drittel der Strecke aus.
Na super! Da freue ich mich auf eine weitere Herausforderung, und dann so etwas.

Ich lasse mich also entspannt in Richtung Tal rollen und beschließe, den Col de la Bonette zu befahren. Eine gute Entscheidung. Sowohl Anfahrt über die Südrampe, als auch später Abfahrt Richtung Norden sind ein Genuß.

Oben am Pass besuche ich einen der Gipfel, die den Pass bilden – den Cime de la Bonette. Dort kann man parken.

Um dann die restlichen 100 Höhenmeter zu Fuß zu einer Aussichtsplattform auf dem Berg zu gelangen.

Rund- und Fernsicht sind gigantisch.

Die Besucherdichte ist erträglich, ich kann schauen und die Weite wirken lassen.

Es ist mittlerweile fast 15 Uhr, ich mache mich auf den Rückweg. Nicht, ohne beim Buvette de la bonette auf 2536 Metern direkt an der Straße ein leckeres Omelett zu verdrücken.
Die Rückfahrt ist entspannt, ich lasse mir Zeit – bin eh mehr Straße gefahren, als ich eigentlich heute wollte.
Gegen 18 Uhr laufe ich in Briançon ein. Ich mache wieder einen Spaziergang, heute allerdings etwas abseits der Grande Rue. Treffe die erste Katze der Reise.

Finde ein Haus, dessen Maueranker wahrscheinlich das Baujahr zeigen.

Stelle wohlwollend fest, dass die Bewohner hier ein Herz für Katzen haben – jedenfalls bauen sie am Straßenrand den Miezen Unterkünfte.

Das „Briançon dahinter“, hinter der Grand Rue, sieht unspektakulär aus. Hier wohnen die normalen Leute 😉

Morgen in der Frühe werde ich diesen netten Ort verlassen. Nach den Erfahrungen heute werde ich ziemlich sicher den Pass fahren, den ich auch schon vor zwei Jahren gefahren bin. Freue mich drauf! Abends wartet dann ein kuschliges Zimmer in der Auberge de l’Hospice am Grand St. Bernhard auf mich.
Start: Briançon
Ziel: Briançon
Via: Guillestre, Col de Vars, Jausiers, Col de la Moutière, Col de la Bonette
Strecke: 246,0 km
Gesamt: 2747,1 km