Morgenroutine – nicht ganz. Auf dem Weg zum Waschraum begegnet mir eine ältere Dame mit einem älteren Hund und einer älteren Katze. Alle drei offenbar zusammen gehörig und sich gut bekannt. Alle, außer der Dame, mit Halsband. Gemächlicher Morgenspaziergang. Guter Tagesbeginn.
Dieser wird noch besser, da ich eine Übernachtung für die Rückfahrt in der Auberge de l’Hospice gebucht habe. Dieses Hotel liegt direkt auf dem Grand St. Bernard. Es war mir schon bei der Herfahrt aufgefallen. Und natürlich liegt meine Rückroute rein zufällig so, dass ich an dieser Herberge vorbei komme 😉
Heute stehen mindestens zwei Touren auf dem Programm. Zuerst Richtung Susa und dann rechts ab auf eine Rundtour mit einem Abstecher hoch zur Alpe Arguel und zurück nach Chiomonte. Mein hinterer Tank ist gestern leer geworden, aber vorn sollten noch 8 oder 9 Liter drin sein. Ich entschließe mich, nach der ersten Tour zu tanken.

Wetter vorbildlich, ich finden den Einsteig in die Route. Dann führt der Weg durch Wald, es wird wellig – aller 50 Meter eine tiefe, weiche Furche, so wie es aussieht, vom Regenwasser ausgewaschen. Das führt zu einer Art Wellenreiten. Fühlt sich klasse an, ist aber ein gutes Stück Gymnastik am Vormittag.

Weiter oben habe ich wieder einen normalen Fahrweg mit feinem Kies.

Immer wieder anders, immer wieder gleich – die Landschaft ist unglaublich. Ich komme an einer kleinen Kapelle vorbei.

Verstreute Höfe.

Dann kommt der Abzweig zur Alpe hoch, den muss ich wieder zurück. Der Weg wird rauher, anstrengender, aber nicht wirklich schwierig. Bald bin ich oben – also vorm Schlagbaum, der Weg zur Alpe ist gesperrt.

In dieser letzten Kehre kippt mir doch tatsächlich das Mopped um 😉 unglaublich. Ich muss lachen, es liegt wieder mit den Rädern nach oben. Aber ist ja nicht so, dass ich nichts gelernt hätte. Ein wenig ruckeln, dann läßt es sich problemlos aufrichten.

Ich starte die Maschine, will die Stichstraße wieder zurück und dann die Runde vollenden. Sie startet kurz und geht dann aus. OK, das Ganze noch einmal. Wieder nix. Sollte ich mich verrechnet haben mit dem Sprit? Auf 2113 Meter Höhe kein Bezin mehr? Kann nicht sein, oder?
Gut, der Praktiker in mir sagt sich: zwischen mir und Susa liegen ungefähr 1300 Höhenmeter, Gott sei dank hinsichtlich des Sprits korrekt orientiert. 1300 Meter bergauf schieben möchte man die 150 kg Metall auf zwei Rädern nicht wirklich …
Also lasse ich rollen. Ist eine neue Erfahrung, so lautlos 😉 muss aufpassen, die Wanderer nicht zu erschrecken, wenn so ein stilles Mopped scheinbar aus dem Nichts auftaucht und vorbei will. Zeit für die Natur ist natürlich trotzdem.

Zwischendurch muss ich doch den Motor anwerfen, es geht natürlich auch mal wieder ein Stück hoch. Er läuft einwandfrei. Ich traue dem Frieden aber erst, nachdem ich eine Tankstelle in Susa gefunden habe. Es waren tatsächlich noch 8 Liter drin, und der Motor lief ja auch wieder. Wahrscheinlich hat er sich beim Umfallen ein wenig verschluckt. Naja, wieder was gelernt.
Ich bin gegen halb Eins in Susa. Der Hotspot ist voll, die Restaurants haben Drücker am Eingang. Ich sitze kurz in einem Café, aber wie schon ein paar Mal dauert es mir zu langen. Ich gehe weiter und finde am Rande der Piaza ein eher unauffälliges Bistro, welches mir einen Americano, eine große Limo und ein großes, gut belegtes Sandwich alles zusammen für unter 10 Euro serviert.

Die zweite Tour steht an. Sie startet weiter südlich, ich fahre über Oulx nach Cesare Torinese und weiter nach Bousson. Dort zweigt der Weg nach rechts ins Gebirge ab.
Auch hier finde ich wieder die Wellen. Weiter oben wird der Weg deutlich rauher, das Fahrwerk ist gefordert – ich bin dankbar über den großen Federweg meiner Vorderradschwinge.

Ich komme an eine Sperre, die behauptet, der Weg sei gesperrt wegen Bauarbeiten. Weit und breit aber nix zu sehen. Nun gut, wozu habe man eine Enduro und kann diese italienischen Schilder nicht verstehen 😉
Ich passiere die Madonna del Lago Nero und werde belohnt mit einer frisch aufgelegten Schotterstraße mit Haarnadelkehren vom Feinsten. Die Aussicht ist ebenfalls wieder einmal unglaublich.

Ich steige und steige, komme gut in Schwung – irgendwo hier und jetzt müsste der Pass kommen. Was aber kommt, und zwar mir entgegen, ist eine mächtige Straßenwalze. So ein 20 Tonnenteil. Mit einem wild gestikulierenden Männlein im Fahrerhaus. Das ist nicht mißzuverstehen! Ich lasse mich ziemlich schnell überreden und mache kehrt.

Weiter unten konsultiere ich die Karte noch einmal. Es gibt leider keinen anderen Weg, ich muss zurück nach Cesana Torinese.

Hübscher kleiner Ort. Etwas weiter östlich als der erste Einstieg gibt es einen zweiten, der führt steil nach oben in ein Hochtal. Der soll heute meine Nummer drei sein.
Der Weg ist ähnlich rauh wie gestern, mehr Flußbett als Straße. Tatsächlich trauen sich auch ein paar „normale“ Autos in diese Richtung, geben aber relativ bald auf. Ohne Bodenfreiheit wird das hier oben schwierig.

Teilweise scheinen die Römer hier eine Heerstraße vergessen zu haben.

Ich bin froh, dass meine Reifen die Arbeit für mich machen und sich tapfer mit den verschiedenen Belägen auseinander setzen.
Das Valle Thuras gehört zum Monte Valletta.

Weiter geht es nur noch zu Fuß oder mit Esel.

Dann kehre ich um, fahre gemächlich von knapp 2000 Metern wieder zurück über Cesana Torinese und Oulx ins Camp. Bin gegen halb Fünf zurück, gut geschafft, durchgeschwitzt. Off road halt 😉 Auf dem Tacho stehen heute immerhin 139,4 km, ein Großteil davon abseits asphaltierter Straßen. So darf es bleiben!
Morgen gibt es eine weitere Offroad-Strecke, vielleicht auch zwei, mal sehen. Schön wars, schön wirds!
Start: Gran Bosco Camping
Ziel: Gran Bosco Camping
Via: Susa, Oulx, Cesana Torinese, Madonna del Lago Negro, Valle Thuras
Strecke: 139,4 km
Gesamt: 1803,9 km