Mo.. Apr. 13th, 2026

Cappuccino, Brioche, Planänderung. Ein nettes Schweizer Das-ist-kein-Jeep-sondern-ein-Landrover-Pärchen riet mir ab, heute auf den Col de Sommeiller zu fahren. Heute ist Sonntag, und das, was wir gestern auf dem Monte Jafferau erlebt hatten, würde sich heute noche einmal steigern auf dem Sommeiller. OK, das klingt für mich vernüftig, also ein Ruhetag mit etwas Herumfahren, vielleicht nach Briançon. Der Schweizer zeigt mir auch noch eine kurze, aber schöne Offroad-Route, an der ich auf meinem Weg vorbei kommen sollte. Das klingt gut, scheint genau richtig zu sein für einen nicht allzu herausfordernden Sonntag.

Also rauf aufs Bike und los Richtung Beaulard. Dort soll es laut Schweizer links ab in die Berge gehen. Eine „kleine, feine“ Strecke soll es sein. Na vielen Dank auch! Die Strecke erinnert in weiten Teile an gestern: steil, grober Schotter, und, weil Sonntag ist, jede Menge Verkehr in beiden Richtungen. Wanderer, Radler, andere Biker, Hunde, Katzen, Kamele … oben erwartet mich allerdings eine Überraschung.

Ein Restaurante auf 2070 m. Eingedeckte Tische. Erstaunlich.

Grandiose Aussicht, für mich immerhin ein Sandwich und einen Cappuccino. Und Sonne satt.

So gestärkt begeben ich mich auf die Abfahrt. Die ist wesentlich einfacher, Waldweg, kein Schotter. Kaum Fußgänger.

Überhaupt finde ich die Idee, den großen Pass morgen zu fahren zunehmend gut. Am Sonntag ist viel unterwegs, morgen verspricht es ruhiger zu werden. Ich fahre noch zum Einstieg für morgen, auch dort ist alles zugeparkt – morgen wird es leerer sein.

Die Straße dorthin ist die ideale Moppedstrecke.

Das Dorf, wo der Aufstieg zum Sommeiller beginnt, liegt malerisch, umgeben von hohen Felswänden und Gipfeln.

Ein guter Platz, wenn nicht die ganzen Besucher wären – ich eingeschlossen 😉 ich setze mich ein paar Minuten etwas abseits und lasse die Berge wirken. Muss an Hermann Hesses Märchen „Faldum – der Berg“ denken und nehme mir vor, es nach meiner Rückkehr wieder zu lesen. Ich habe die Märchen von Hesse oft gelesen; das kleine, grüne Suhrkamp-Taschenbuch begleitet mich seit fast 40 Jahren. Hesses Märchen sind von einer mythischen Tiefe, die immer wieder erstaunt. Er verstand und versteht es, ganz altes Wissen, unbewußtes Wissen, das jeder von uns in sich trägt, zum Klingen zu bringen.

Ich beschließe, Frankreich Frankreich sein zu lassen und mache mich auf den Weg zurück ins Camp. So komme ich gegen 15 Uhr dort an. Lesen, schreiben, glotzen. Urlaub.

Der Tacho zeigt 68 km, genug für heute. Langsam sieht man meinem Bike auch an, dass es arbeiten muss.

Nach dieser Tour werde ich den Mantel hinten erneuern, er hat dann knapp 10.000 km auf dem Buckel, das Profil wird komplett runter sein. Aber hier und jetzt leistet er noch gute Dienste.

Die Truppe Biker neben mir hat noch einen weiteren Kollegen hinzu bekommen, es kommen Dienstag noch zwei. Ich werde freundlich gefragt, wie lange ich noch bleibe. Dienstag bin ich weg, das passt. Dann haben sie den hinteren Bereich ganz für sich allein, quasi als Fahrerlager. Die Jungs werden mir eh immer sympathischer. Die Gespräche heute Abend drehten sich natürlich wieder um Drehmomente, Technik, Leistung. Aber zwischendurch Fragen wie: „Kommt da Knoblauch dran?“ „Auf keinen Fall!“ Die basteln also nicht nur selber, sondern sie kochen auch selber. Und sind, wie ich erfuhr, auch hauptsächlich in technischen Berufen unterwegs. Bei BMW und anderen – nichts „mit Medien“ … 😉 Wir wünschen uns noch gute Fahrten. Der lange Tag geht zu Ende.

Start & Ziel: Gran Bosco Camping
Via: Beaulard, Rochemolles
Strecke: 68 km