Ich fahre los, Richtung Süden. Stau in Briançon, hier haben sie tatsächlich ein paar Ampeln, warum auch immer. Versuche mein Glück auf dem ersten Campingplatz. Dieser liegt ganz in der Nähe eines guten Restaurants – Empfehlung meiner Süßen 😉 leider ist der Platz komplett ausgebucht. Also weiter.
Auf dem Camping des 5 Vallées haben sie Platz. Der Platz ist natürlich nicht so wunderbar wie Gran Bosco, aber ich glaube, nach den 6 Tagen dort unterliege ich eh einem gewissen Bias, was die Bewertung anderer Plätze angeht. Ich stelle mein Zelt auf, verstaue das Gepäck und los gehts.
Da ich mittlerweile ohne Navi fahre, passieren nette Dinge. Ich fahre erst einmal an dem Einstieg zum Pass vorbei, was aber nicht schlimm ist, es sind nur 20 Minuten. Dann steige ich Richtung Pass. Wetter und Straße sind phantastisch.
So gut wie keine Mitstreiter unterwegs. Fahren, fahren, fahren. Meditativ. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Überall zeigt sich die Schönheit der Natur, der Schöpfung. Das Hochgebirge ist in gewisser Weise minimalistisch. Nicht so erschwenderisch wie beispielsweise die Tropen. Oder so archisch wie die Lava-Felder auf Island. Minimalistisch. Sonne, Wind, ein bisschen Vegetation, ab und an mal ein paar Kühe – oder Moppedfahrer, Steine. Reicht eigentlich, finde ich.
Gesellschaft ist rar – Kühe sind willkommen.
Recht schnell erreiche ich den Tunnel. Unspektakulär. Der Eingang – bei mir die Ostseite.
Der Tunnel selber fährt sich weitaus einfacher als jener Richtung Monte Jafferau. Ich hatte sonst was erwartet. Er ist auch deutlich kürzer als der Jafferau. Also kein Problem. Andere Reisende berichteten von Blankeis. Kühen, abgrundtiefen Pfützen, Bergtrollen und was weiß ich nicht alles.
Und was war? Nix. Nach ein paar Minuten war ich durch. Zeit für eine kleine Pause.
Die Abfahrt gestaltet sich anstrengend, aber nicht wirklich schwierig. Die Ausblicke sind phantastisch.

Ich rolle langsam talwärts.
Serpentinen, loser Schotter, ab und an Gegenverkehr.
Oder minimalistische Vegetation.
Dann bin ich wieder unterhalb der Baumgrenze, es wird wärmer, Pullover ausziehen ist angesagt.
Bin froh, den Pass doch noch gefahren zu haben – nach all den Gruselgeschichten 😉 jetzt sind es nur noch 50 km zurück zum Camp. Theoretisch zumindest …
Ich finde mich auf eine wunderbaren Hochstraße wieder. Dass ich die Abfahrt verpasst habe, merke ich später – zu schön sind die Kurven, die Serpentinen, das Wetter – einfach alles. Ich werde erst stutzig, als ich wieder in Italien bin – auf der SS21. Ich fahre weiter, aber langsam kommen mir Zweifel. Irgendwann halte ich an und checke Google Maps. OK, 40 km in die „falsche“ Richtung – aber was für eine tolle Straße mit Pass und allem! Jetzt darf ich die sogar wieder zurück fahren 😉 alles noch einmal in die andere Richtung – toll!
So kam ich den Genuß, den Colle della Maddalena zu fahren – sehr zu empfehlen. Kann man übrigens auch absichtlich machen.
Irgendwann nach 40 km drehe ich also um. In Les Gleizolles, Saint-Paul-sur-Ubaye, erwische ich dann die D902 nach Norden und fahren noch einen Pass, den Col de Vars. Auch schön. Auf der anderen Seite bietet sich dann ein atemberaubend schöner An- oder Ausblick.
Die Gegend ist einfach unfassbar. Wunderschön.
Ich tanke noch für die Strecke morgen und rolle gegen 18 Uhr ins Camp. Es stehen 296 km auf dem Tacho, viel mehr, als ich eigentlich wollte. Aber was für ein „Mehr“!
Zu guter Letzt noch ein wenig lästern über den Campingplatz hier. Das Bier kosten 8,- €. Eine Kapelle beglückt gerade alle Anwesenden, ob sie wollen oder nicht … und das WLAN funktioniert nur gegen Bezahlung. OK, es ist nur für eine Nacht. Überhaupt, diese Ecke von La France! Ich mag die Sprache, die Höflichkeit, das Nationalgefühl der Franzosen. Aber hier haben sie echt daneben gehauen. Es ist eine furchtbar touristische Ecke. Voller Beton, voller Ski-Lifte. Auf dem Rückweg vom Pass passierte ich mehrere Orte. Obwohl ich noch nie auf Malle war – genau so stelle ich mir das vor. Massen, die „Urlaub“ machen. Keine guten Vibrations 😉 schnell weg, war mein erster und einziger Gedanke.
Ich bin froh, dass ich morgen Richtung Norden, Richtung Heimat fahren werde.
Start: Gran Bosco Camping Ziel: Camping des 5 Vallées Via: Col du Parpaillon, Col de Vars Strecke: 296 km











