Ich sitze wieder im Casino, werde, ohne etwas gesagt zu haben, mit einem „Un café pour vous?“ begrüßt.

Sieht so aus, als ob alles wieder in Ordnung ist. Die letzte Nacht war erholsam, mein Magen ist fast wieder in Ordnung. Vielleicht ein wenig schwach noch insgesamt, aber ich werde vorsichtig und relativ langsam fahren heute.
Das Casino gehört, was ich jetzt erst mitbekomme, zu einem Kino – klar, wie sollte es auch anders sein!

Das Wetter scheint zu halten, durchwachsen, aber mit der Tendenz zum besseren. Schön sieht es ja aus.

Wenn bloß das viele Wasser von oben nicht wäre … 😉
Die erste Station ist der Grand Saint Bernard. 2.473 m, das Museum hat leider geschlossen. Macht aber nichts, die Ausblicke sind auch so grandios.

Die Abfahrt ist lohnenswert, Kurven über Kurven – fast schon normal.

Es geht weiter nach Aosta, danach auf der SS26 Richtung Südwesten. Die Straßen sind gut, abgesehen von den Baustellenampeln. Die aber immerhin, wie die letzten Tage schon, einen Sprung nach vorne in der Kolonne gestatten. Bemerkenswert ist, dass fast die ganze SS26 maximal Tempo 70 erlaubt, oft nur Tempo 50. Damit zieht sich die Fahrt doch etwas.
Der nächste Pass ist der Kleine St. Bernard.

Relativ einsam und relativ windig.

Hinter Val-d’Isère geht es wieder hoch. Das Wetter hält, wenn auch Wolken und Wind dem ganzen einen eher nördlichen Touch geben.

Etwas später, wir sind mittlerweile auf 2.770 Metern angelangt, passiere ich den „Island-Pass“. Ich habe ihn so genannt, weil es hier so aussieht wie in Island.

Kaum Vegetation, dafür Schnee und kalter, starker Wind.

Herrlich 😉 Der Pass heißt eigentlich Col d’Iseran und ist der höchste Pass der Grand Routes des Alpes, der Straße, die vom Genfer See bis zur Côte d’Azur führt. Die Schrottsammelstelle (a.k.a. „Wikipedia“ – dank Meister Klonovsky) behauptet zwar, es wären „nur“ 2.764 m. Aber bevor die Kollegen hier ein neues Schild bauen, leben sie lieber mit den 6 Metern Unterschied. Ich gehöre ja eigentlich auch zu den Korinthenkackern, aber das hier gefällt mir 😉
Langsam nähere ich mich Susa, es wird wieder wämer, die Sonne kommt öfter durch.

Gegen 19 Uhr laufen ich endlich auf dem Campingplatz ein. Bekomme ein Plätzchen für mich und mein Zelt und beende den langen Fahrtag mit einer Pizza und einem italienischen Bier im Restaurante Camp Gran Bosco. Das Morgen lasse ich entspannt auf mich zukommen. Vielleicht mache ich am Nachmittag eine kleine Offroadtour, vielleicht lege ich auch einen Ruhetag ein. Wir werden sehen.
Start: Camping de Van d'En Haut
Ziel: Gran Bosco Camping
Via: Col Grand St. Bernard, Aosta, Col d'Iseran
Strecke: 328,6 km
Gesamt: 1615,2 km